Was der „Atlas“ von Boston Dynamics über die Zukunft der Nachfrage nach NdFeB-Magneten verrät
Der weltweit erste humanoide Industrieroboter für den Einsatz in Unternehmen
Auf der Technologiemesse CES 2026 in Las Vegas stellte der Robotikhersteller Boston Dynamics die neueste Version seines humanoiden Roboters „Atlas“ vor, der nun für eine ausgewählte Gruppe von Early Adopters in Serie geht.
Die Humanoiden sind mit den DeepMind-KI-Modellen von Google integriert und können komplexe, menschenähnliche Aufgaben wie Heben, Sortieren und Materialtransport in Fabrikhallen, Auftragsabwicklungszentren und darüber hinaus ausführen.
Die Hyundai Motor Group, Mehrheitseigentümerin von Boston Dynamics, kündigte Pläne an, bis 2028 eine Produktionsanlage zu errichten, die jährlich 30.000 Roboter herstellen kann. Anfang letzten Jahres hatte Hyundai seine Absicht bekannt gegeben, „in den nächsten Jahren“ Zehntausende von Robotern in seinen Fabriken einzusetzen.
Die 1,9 m (6,2 ft) hohe Maschine verfügt über eine Batterielaufzeit von 2 bis 4 Stunden. Danach navigiert sie selbstständig zu einer Ladestation, wechselt dort innerhalb von 3 Minuten ihre Batterie aus und nimmt ihre Arbeit wieder auf.
Laut Boston Dynamics wurde „jeder Zentimeter von Atlas als weltweit erster humanoider Roboter für den industriellen Einsatz sorgfältig konstruiert, gefertigt und kalibriert“.
Atlas verfügt über beeindruckende 56 Freiheitsgrade (DoF) – doppelt so viele wie bei einigen etablierten Anbietern –, wodurch er sich frei bewegen und an denselben Arbeitsplätzen mit denselben Werkzeugen und Geräten arbeiten kann, die auch das vorhandene Personal nutzt.
Zum Vergleich: Der ursprüngliche Atlas, der 2013 von Boston Dynamics auf den Markt gebracht wurde, verfügte über 28 Freiheitsgrade, während der heute von der chinesischen Firma Unitree hergestellte und vertriebene humanoide Roboter G1, der Karate-Tritte ausführt und Rückwärtssaltos macht, über 23 bis 43 Freiheitsgrade verfügt. Frühere Humanoide wie Hondas ASIMO aus dem Jahr 2000 verfügten über 26 Freiheitsgrade, während der 1973 von der Waseda-Universität entwickelte WABOT-1 lediglich 7 Freiheitsgrade hatte.
Laut Boston Dynamics „verfügt Atlas bereits ab Auslieferung über physische Intelligenz und lässt sich in weniger als einem Tag an Ihre Anwendung anpassen.“ Atlas ist für eine Vielzahl von Aufgaben im Lager- und Fabrikbetrieb einsatzbereit, von der Teilesequenzierung über die Maschinenbedienung bis hin zur Auftragsabwicklung und darüber hinaus.
Und das Beste daran: Sobald ein Atlas eine neue Fähigkeit erlernt hat, lässt sich diese Aufgabe problemlos auf die gesamte Atlas-Flotte übertragen, was für gewerbliche Nutzer schnell spürbare Vorteile mit sich bringt.
Ein tiefer Einblick: Von der Mine zum Magneten
Unser bislang umfassendster Jahresbericht
Steigende DoF: Auswirkungen auf die Nachfrage nach NdFeB-Magneten
Was die Nachfrage nach NdFeB-Magneten betrifft, verdeutlicht Atlas einen wichtigen Trend, auf den wir in den letzten zwei Jahren wiederholt hingewiesen haben: Die im Laufe der Zeit zunehmende Anzahl an Freiheitsgraden führt dazu, dass pro Roboter im Durchschnitt immer mehr Motoren und Magnete zum Einsatz kommen.
Aus unserem aktuellen Bericht „Rare Earth Magnet Market Outlook to 2040“ (Marktprognose für Seltenerdmagnete bis 2040 ):
„Der durchschnittliche humanoide Roboter, der bisher entwickelt wurde, verfügt über etwa 30 bis 40 Freiheitsgrade (ermöglicht durch etwa 30 bis 40 Motoren und Aktuatoren). Wir gehen davon aus, dass diese Zahl in Zukunft näher an die Anzahl der menschlichen Gelenke (d. h. 78) heranrücken wird, was eine größere Bewegungsfreiheit, eine höhere Bewegungskomplexität und die Fähigkeit ermöglicht, ein breiteres Spektrum potenzieller Anwendungsbereiche abzudecken.“
Aus unserem Whitepaper aus dem Jahr 2025 mit dem Titel „Die Revolution der humanoiden Roboter: Auswirkungen auf die NdFeB-Lieferkette und Strategien“:
„Diese Entwicklung führt zu einem direkten Anstieg der Nachfrage nach NdFeB-Magneten, die für die kompakten Konstruktionen dieser Motoren mit hohem Drehmoment von entscheidender Bedeutung sind.“
Sich weiterentwickelnde Handtechnologien: Auswirkungen auf die Nachfrage nach NdFeB-Magneten
Ende letzten Jahres stellte Boston Dynamics robuste Dreifinger-Greifer für Atlas vor, die jeweils über sieben Freiheitsgrade und sieben Aktuatoren verfügten sowie über taktile Sensorik in den Fingerspitzen und in die Handflächen integrierte Kameras.
Auf der CES konnten die Besucher einen Prototypen von Atlas sehen, der mit den Greifern Aufgaben ausführte, sowie eine Ausstellungsversion, die mit kleineren vierfingrigen Händen ausgestattet war. Die vor Ort austauschbaren Gliedmaßen des Roboters sind so konzipiert, dass sie mit austauschbaren Endeffektoren verwendet werden können, die speziell auf die jeweilige Aufgabe zugeschnitten sind.
In einem im vergangenen Jahr von uns veröffentlichten Beitrag, in dem das Potenzial von Roboterherstellern untersucht wurde, austauschbare Endeffektoren anstelle von festen, menschenähnlichen Händen in großem Umfang einzusetzen, kam Meg Black, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Adamas, zu dem Schluss, dass die Zukunft wahrscheinlich eine Kombination aus beiden Ansätzen mit sich bringen wird.
„Unabhängig davon, ob es sich um feste Greifer oder spezielle Aufsteckwerkzeuge handelt – die Zukunft der Robotik verspricht weiterhin eine positive Entwicklung für die Nachfrage nach NdFeB-Dauermagneten. Sollte ein Großteil der künftig entwickelten Roboter nicht mit festen, menschenähnlichen Händen, sondern mit einer Auswahl an Zubehör für verschiedene Aufgaben ausgestattet sein, könnte dies letztendlich zu einer noch größeren Nachfrage nach Motoren, Aktuatoren und Seltenerdmagneten pro Roboter führen, als bisher erwartet.“
Das Wichtigste auf einen Blick: Das Nachfragewachstum ist das Ergebnis des Zusammenwirkens verschiedener Faktoren
Letztendlich lautet die wichtigste Erkenntnis hier: Die künftige Nachfrage nach NdFeB-Magneten für humanoide Roboter wird nicht allein von den Verkaufszahlen der Roboter bestimmt, sondern ergibt sich aus dem Zusammenspiel von steigenden Verkaufszahlen, einer zunehmenden Anzahl von Freiheitsgraden und – zumindest in einigen Fällen – dem Einsatz einer Vielzahl von NdFeB-haltigen Endeffektoren und Werkzeugen pro Roboter.
Daher geht Adamas weiterhin davon aus, dass die Robotik die neue Triebkraft für das mittel- bis langfristige Nachfragewachstum bei NdFeB-Magneten ist, und erwartet, dass dieser Sektor bis 2040 alle anderen Endverbrauchsbereiche und Anwendungsgebiete übertreffen wird.
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